Psychologische Aspekte
so lautet die Überschrift zu einem Bemerkenswerten Beitrag in unserem Forum von Margarethe.
Wir fanden diese Beschreibung so zutreffend, dass wir uns die Erlaubnis geholt haben, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen.
Viele Patienten haben ohnehin eine Scheu, Antidepressiva einzunehmen.
In einigen Fällen ist aber die Einnahme von Antidepressiva sinnvoll, denn es geht darum, die antivirale Therapie durchzustehen und nicht wegen psychischer Nebenwirkungen abbrechen zu müssen.
Wenn dann durch ein Antidepressivum noch weitere Nebenwirkungen zu der bestehenden Symptomatik dazu kommen, wird dann als zu schnell die Einnahme beendet, weil der Patient den Eindruck hat, dass alles nur noch schlimmer wird.
Der Beitrag zeigt, dass nicht bei allen Nebenwirkungen die unter der Therapie auftreten unbedingt das Interferon die Ursache ist, sondern das man sehr genau hinsehen muss, welche weiteren Medikamente eingenommen werden. Gerade bei der Einnahme von Antidepressiva kommt es hin und wieder zu unerwünschten Nebenwirkungen.
Deshalb ist manchmal ein wenig Geduld erforderlich bei der Auswahl des Antidepressivums.
Nicht jedes Präparat passt zu jedem Patient. Oftmals müssen mehrere Sorten nacheinander ausprobiert werden, bis das passende Medikament gefunden ist.
Dieser Beitrag soll dazu ermutigen, bei weiter bestehenden Symptomen oder bei unerwünschten Nebenwirkungen nicht zu zögern, den Facharzt (Neurologe/Psychiater) ein weiteres Mal aufzusuchen, bis die optimale Medikamenteneinstellung (Präparat und Dosis) gefunden ist.
Hier nun der ganze Text:
Zitat aus: [ http://lumed.de/c/cgi/cib/topic.cgi?forum=2&topic=34769 ]
Hallo Ihr Lieben,
ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet, aber ein kürzlicher Hinweis von Margrit, man möge auch posten, wenn es einem gut geht, hat mich jetzt doch zum Schreiben motiviert!
Ich habe Ende Februar mit der Therapie begonnen, dann ging's mir bis Mitte Mai recht gut und aus - mir damals - unerklärlichen Gründen wurde ich von da an immer schwächer, Anfang Juli konnte ich kaum mehr stehen, ohne mich festzuhalten, ich habe abgenommen und war psychisch völlig weggetreten.
Gegen Ende Juli schließlich hat mich der Arzt in der Hepatitis-Ambulanz darauf hingewiesen, dass evtl. mein neues Antidepressivum (ich hatte Ende April das Medikament gewechselt, weil ich so zugenommen hatte) und nicht das Interferon/Ribavirin an der Situation schuld sei.
Leider war meine Neurologin bis Ende August in Urlaub und als ich schließlich ein anderes Medikament verordnet bekam, waren bereits mehr als drei schreckliche Monate vergangen. Fazit: Zwei Wochen später war ich ein anderer Mensch: Die Kraft kam zurück, ich nahm zu, die Depression verschwand, ich konnte wieder schlafen und innerhalb von mehreren Wochen ging es mir besser als vor der Therapie.
Ich habe mich inzwischen wieder im Fitnesscenter angemeldet, meine im Juni aufgegebenen Jobs wieder aufgenommen und habe keine gesundheitlichen Probleme mehr.
Ich bin immer noch erstaunt, dass die Art des Antidepressivums einen so großen Einfluss auf den Gesundheitszustand hat und rate jedem, im Zweifelsfall den Arzt um einen Präparatwechsel zu bitten. Offenbar muss man bei Psychopharmaka wirklich ausprobieren, was man verträgt und was nicht.
Ich hätte nie gedacht, dass sich ein Antidepressivum auch körperlich so massiv auswirken kann.
Jedenfalls hätte ich mir viel erspart, wenn ich schneller gehandelt hätte - aber ich war bereits so passiv und schwach, dass mir auch das Hilfe-Suchen zu anstrengend war.
Zumindest bin ich jetzt für jeden "gesunden" Tag dankbar und habe keine Bedenken mehr, die letzten 11 Wochen noch gut zu überstehen.
Ich sehe mir regelmäßig alle Forumbeiträge an und leide mit Euch allen mit! Wenn ich lese, wie es Manchen so geht, kann ich von Glück sprechen, dass mein Tief nur etwas mehr als drei Monate gedauert hat!
Alles Gute und haltet die Ohren steif!
Eure
Margarethe